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9. Deutsch-Deutscher Boxklassiker – spannend wie Beethovens 9. Sinfonie



(Foto: Eroll Popova)


Von Jean-Marcel Nartz

(Köln/Magdeburg). Beethovens Neunte gilt allgemein als Klassiker und der Boxsport gilt als die klassische Kunst der Edlen Selbstverteidigung. Kunst und der Boxsport waren und sind schon stets in einen Zusammenhang gebracht worden. So gelang dem Gentleman Henry Maske der Durchbruch 1992, auf der DOCUMENTA in Kassel, die von dem ehemaligen Amateurboxer und Beustschüler Jan Hoet geleitet wurde. Maske hat dort auf Wunsch von Hoet den 2. Hauptkampf (der Erste war die Schwergewichtsmeisterschaft Axel Schulz gegen Bernd Friedrich) bestritten. Der gute Henry hatte bis dahin in den zwei Profijahren keine 1.000 zahlenden Zuschauer in die Hallen gelockt. Nachdem der Kasseler Kampftag von 18 Fernsehanstalten begleitet wurde, war er angekommen und verbuchte fortan ausverkaufte Hallen.

Am 9. April findet nun in der Magdeburger Bördelandhalle ein Boxkampf statt, den man die 9. Deutsch-Deutsche Boxsymphonie oder Boxklassiker nennen kann. Der 29 Jahre alte Magdeburger Robert Stieglitz verteidigt seinen WBO-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht gegen den amtierenden WBA-Weltmeister, dem 31 Jahre alten Gifhorner Dimitri Sartison. Das wiederum ist eine Premiere, denn noch nie standen sich zwei Deutsche Weltmeister gegenüber. Ein Kampf auf Augenhöhe, der Spannung, Dramatik, hochkarätiges Boxen und ständig wechselnde Aktionen verspricht. Diese Neunte hat es in sich, so wie die Premiere von Beethovens 9. Symphonie 1785, so ist diese Doppel-WM etwas ganz Besonderes.

Magdeburg erlebt die 14. Boxweltmeisterschaft seit dem 4. September 1999. Damals punktete im Supermittelgewicht Sven Ottke den Amerikaner Thomas Tate klar aus. Zehn Jahre später wurde der Magdeburger Robert Stieglitz Weltmeister im Supermittelgewicht.

Auch die acht vorherigen deutsch-deutschen Duelle hatten es meist in sich, aber es boxten eben keine zwei Weltmeister gegeneinander. Wer sich gewundert hat, dass ich diese Story mit Henry Maske begonnen habe, der wird mich gleich verstehen, weil ich die acht Paarungen chronologisch aufarbeiten möchte. Es gibt zwar seit dem 29. Oktober 1936, also seit 75 Jahren Weltmeisterschaften. Bis heute sind es 167 an der Zahl. Das erste deutsch-deutsche WM-Duell auf deutschen Boden fand am 27. Mai 1995 statt. In Dortmund standen sich der Brandenburger Henry Maske und der Berliner Graciano Rocchigiani, der den Kampf zum Ost-West-Duell stigmatisierte, gegenüber. Beim Einmarsch wurde Maske bejubelt und Rocky ausgebuht. Nach dem Kampf war es umgekehrt, denn Maske wurde zum umstrittenen Punktsieger erklärt.

Es spricht für den sportlich fairen Charakter von Henry Maske, dass er Rocky am 14. Oktober 1995 gegen den Willen seines Managers Wilfried Sauerland und dessen Promoterpartner Cedrik Kushner, die wohlverdiente Revanche gab. Diesmal gewann der Gentleman sicher nach Punkten, was auch Rocky akzeptierte, obwohl er später im Fernsehen erklärte, dass er einen Bandscheibenvorfall hatte und nur antrat, weil er Angst hatte, dass der Rückkampf nie mehr stattgefunden hätte und er das Geld dringend brauchte.

Auch am dritten deutsch-deutschen Duell, am 10. August 1996, im St. Pauli Stadion in Hamburg war Graciano Rocchigiani mit von der Partie. Diesmal forderte er den Deutsch-Polen Dariusz Michalczewski heraus, der in der 7. Runde nach Punkten zurückliegend eine filmreife Vorstellung bot, weil Rocky unabsichtlich nachgeschlagen hatte. Um Tumulten aus dem Wege zu gehen, gab es zunächst ein Technisches Unentschieden, was zwei Tage später in einen zweifelhaften Disqualifikationssieg für den Tiger umgewandelt wurde.

Diese Begegnung schrie ebenfalls nach einer Revanche. Die gab es dann am 15. April 2000 in Hannover. Diesmal dominierte der Tiger den Kampf und schlug Rocky mit einen Leberhaken in der 9. Runde zu Boden, worauf Rocky in der Pause zur 10. Runde keine Lust mehr verspürte und aufgab.

Als Amateur hieß er der in Leverkusen geborene Europameister Adnan Catic. Als Profi kennt man ihn heute besser unter dem Namen Felix Sturm. Das war Anlass für viel Polemik vor dem 5. deutsch-deutschen Duell zwischen Universum-Schützling Sturm und Sauerland-Profi Sebastian Sylvester für viel Polemik. Der Kampf am 1. November 2008 in Oberhausen selber war dagegen einseitig. Sturm gewann jede Runde nach Punkten.

Die sechste Begegnung zwischen dem Wahl-Berliner Artur Abraham und dem Wahl-Hamburger Mahir Oral war die schwächste aller deutsch-deutschen Duelle und kann im Nachhinein als Missmatch gewertet werden. Abraham siegte nach mehreren Niederschlägen in der 10. Runde.

Am 17. April 2010 gab es dann in Magdeburg einen echten Kampf des Jahres. Robert Stieglitz besiegte den Pflichtherausforderer Eduard Gutknecht aus Gifhorn nach einer harten Schlacht einstimmig nach Punkten.

Das bis dato letzte Duell zweier Deutscher Protagonisten fand am 30. Oktober 2010 in Neubrandenburg statt. Hier standen sich Sebastian Sylvester und Mahir Oral gegenüber. Sylvester gewann deutlich nach Punkten.

Eines ist jetzt schon klar, die SAT.1-Fernsehzuschauer und rund 6.000 Zuschauer in der Magdeburger Bördelandhalle werden am 9. April einen Faustkampf auf höchstem boxerischen Niveau erleben. Dieses Duell wird den Stieglitz-Gutknecht-Fight noch toppen. Insgesamt gab es auf deutschen Boden (inklusive der Ausländerkämpfe, Klitschko, Grigorian, Dzinziruk etc.) 267 WM-Kämpfe. Der Stieglitz-Sartison-Kampf wird im sicher zu den Top-Ten aller Weltmeisterschaften zählen.


Ihr SES-Team
28.03.2011 - 15:56:05 Uhr
 


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